Stürmische Zeiten

Ludolf Bakhuizen: Christus auf der galiläischen See im Sturm
Bild: Christus auf der galiläischen See im Sturm (Ludolf Bakhuizen)

Liebe Bedienstete der Polizei!

Stürmische Zeiten. Gerade liegen die ersten heftigen Stürme in diesem Jahr hinter uns. Haben entwurzelte Bäume, so manche Stromausfälle und etliche Einsätze auch der Polizei mit sich gebracht. Naturgewalten. Politische und militärische Gewalten erleben wir gerade bei uns in Europa zwischen Russland und der Ukraine. Ein unkalkulierbarer Sturm aus Machtinteressen und Unfriede zieht dort herauf. Mit erschreckender Eigendynamik. Und dann ist da auch noch ein fassungslos machender Sturm vor ein paar Wochen über die Polizeifamilie nicht nur bei uns in der Pfalz hinweggefegt. In einem schockierenden Ausbruch von Gewalt waren die Polizeianwärterin Yasmin und ihr junger Polizeikollege Alexander bei einer nächtlichen Fahrzeugkontrolle in der Nähe von Kusel auf grausamste Weise getötet worden.

Stürme aller Arten wirbeln unseren Alltag und manchmal auch unser Leben als solches durcheinander. Der Wind bläst uns heftig ins Gesicht. Oder pustet uns fast um. Wir fühlen uns ausgeliefert, ohnmächtig, unsicher. Wissen nicht, was kommt und was wir tun können oder sollen. Ängstlich sind wir. Die Kontrolle schwindet. Der Halt fehlt.

Stürme mitten im (Alltags-)Leben rufen nicht nur Gefühle in uns wach. Sie hinterlassen auch Bilder, die sich einprägen. In diesen Tagen: Umgeknickte Strommasten, rollende Panzer, ein Kreuz mit Trauerflor hinter unzähligen Kerzen und Blumen an der Landstraße.

Was gibt Euch und Ihnen Halt und Kraft in den Stürmen des (Alltags-)Lebens?

Seit meiner Kindheit begleitet und trägt mich ein Bild aus der Bibel durch die Bilder der verschiedensten Stürme: Jesus mit seinen Freunden in einem Boot im Sturm auf dem See. Die Wellen schlagen über Bord. Der eine schläft selig, die anderen stehen Todesängste aus. Sie wecken ihn. Er sagt nur: „Warum habt ihr Angst? Ich bin doch da“. Und er beruhigt den Sturm. Mit den Jahren hat sich mein Bild von Gott verändert. Aber mein Grundvertrauen ist geblieben: Egal welcher Sturm auch heraufzieht. Gott ist da. Er wird mich irgendwie durchbringen. Er wird dafür sorgen, dass sich die Wogen irgendwann auch wieder glätten. Darauf vertraue ich trotz allem. Auch wenn es manchmal schwerfällt. Aber das gibt mir Halt. Und die nötige Kraft, um weiterzugehen. Nicht allein. Zusammen mit anderen, denen es ähnlich geht. In einem Boot, in einer (Polizei-)Familie.

Tragen Sie, tragt Ihr Bilder in Euch, die Euch helfen, stürmische Lebens-Zeiten – wie die aktuellen – zu bestehen?

Ich wünsche es Ihnen und Euch von Herzen.

Ihr/Euer Norman Roth
(Polizeiseelsorger der Evangelischen Kirche der Pfalz)

07. März 2022 von Bernhard Christian Erfort
Kategorien: Polizeiseelsorge | Kommentare deaktiviert für Stürmische Zeiten