Ein merkwürdiges Foto zu Ostern, oder? Aber: Lustige Osterhasen, bunte Ostereier, klassische Osterlämmer oder strahlend gelbe Osterglocken sieht man derzeit schon in Hülle und Fülle, in der Dienststelle und zu Hause.
Und doch passt dieses Foto, finde ich. Vielleicht auch nicht auf den ersten Blick. Ich habe es Ende Februar in der Eingangshalle zum Hauptgebäude des Uwe-Seeler-Fußballparks in Malente (traditionsreiche Sportschule des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbands) aufgenommen. Dort bin ich auf einer Konferenz von Polizeiseelsorgerinnen und Polizeiseelsorgern gewesen.
Ja, richtig, das war der Ort, an dem Meister gemacht wurden: Die Fußball-Nationalmannschaft hat sich hier 1974 und 1990 im Trainingslager akribisch auf die Weltmeisterschaft vorbereitet. Und sie konnte beide Male den glorreichen Titel holen.
Wir haben zwar kein Fußball gespielt. Dazu waren die meisten von uns leider nicht sportlich genug … Aber wir haben ganz im Sinne des viel zitierten „Geistes von Malente“ gute Gemeinschaft gepflegt und gemeinsam an aktuellen Themen gearbeitet. Zu „Führen und Leiten“ besuchte uns sogar ein DFB-Erstliga-Schiedsrichter und gewährte uns seltene Einblicke in eine sehr fordernde Aufgabe, ähnlich wie in der Polizei.
Aber zurück zum Foto: Viele in der Polizei mögen Fußball und spielen es gerne. Da wird das „Rätsel“ sicher einfach zu lösen sein, was das Bild darstellt: Einen Ausschnitt aus einem Kunstrasen-Fußballfeld, hier eben in der Sportschule Malente. Zu sehen ist die Stelle, wo sich auf dem Spielfeld Mittelkreis und Mittellinie kreuzen. Soweit so nüchtern sportlich betrachtet.
Sieht man mit religiösen Augen auf das Ganze, blickt man allerdings auch auf ein weißes Kreuz auf grünem Untergrund oder Hintergrund.
Für (uns) ChristInnen ist das Kreuz das zentrale Symbol und „Markenzeichen“. Es steht für Jesus, die göttliche Schlüsselfigur, und das, was ChristInnen mit ihm verbinden. Jesus galt für die vor über 2000 Jahren Herrschenden als religiöser und politischer Aufrührer. Deshalb hat man ihn gekreuzigt.
An Karfreitag erinnern wir uns an Jesu gewaltsamen schrecklichen Tod. Aber auch daran, dass er damit zeigt, wie nah uns Menschen Gott kommt. Dass er mitten unter uns ist und mit uns mitleidet. In dieser leider häufig so grausamen und schmerzhaften Welt.
Hinter und neben dem Kreuz ist aber auch grün. Diese Farbe steht für Leben. Erst recht, wenn wir damit einen echten nachwachsenden satten (Fußball-)Rasen verbinden. Und nicht nur einen Kunstfaser-Rasen wie auf dem Foto.
Also: Leidvolles und Tod passieren mitten in dieser Welt, mitten im Leben, zwischen allem Lebendigen nebendran und im Hintergrund. Neben und hinter dem Kreuz ist Leben. Gott ist an unserer Seite im Leiden. Und: An Ostern feiern wir, dass Jesus bald nach seinem Tod auf besondere Weise wieder lebendig war, auferstanden ist, wie man in christlichen Kreisen sagt.
Seine FreundInnen waren sich dessen sicher. Sie haben sich an das erinnert, was Jesus ihnen noch gesagt hat bevor er gestorben ist: „Ich lebe und ihr sollt auch leben“ (Johannesevangelium 14,19). Für uns ist das alles bis heute ein Zeichen, dass wir dessen gewiss sein sollen, dass der Tod nicht das Ende aller (Fußball-)Fahnenstangen ist. Dass das Leben – wie auch immer – bleibt. Neben und hinter dem Schrecklichen und dem Leiden ist Leben in Sicht. Hier auf Erden und drüben auf der anderen Seite des Lebens. Das kann man freilich nicht immer sehen. Aber hier auf dem Foto sticht es (mir) geradewegs ins Auge.
Fußball ist die schönste Nebensache der Welt und des Lebens, sagt man. Wer Fußball aktiv betreibt, fühlt sich lebendig, gesund, voller Kraft und Ausdauer, erlebt Gemeinschaft und merkt wie spielerisch und leicht das Leben sein kann. Bei allem Verletzungspech, das manche und manchen dabei aber auch leid- und schmerzvoll plagen kann. Und doch überwiegt die Lebensfreude. Das war schon so bei den Menschenmassen in Straßen und auf Plätzen, die nach 1954 auch 1974 und 1990 die Weltmeisterschaft der deutschen Fußball-Mannschaft gefeiert haben. Und das spüren regelmäßig die Fans, die am Wochenende am Spielfeldrand mitfiebern oder ins große Stadion ziehen, um ihre Mannschaft anzufeuern.
Leider geht es auf und neben dem Spielfeld nicht immer friedlich, gewalt- und schmerzfrei zu. Davon können auch Polizistinnen und Polizisten zur Genüge ein („Fan“)Lied singen.
Polizistinnen und Polizisten erleben häufig Schreckliches und Leidvolles bei ihren Einsätzen und Ermittlungen mitten im Alltag, mitten im Leben. Das prägt sich vordergründig ein. Und doch ist im drumherum und im Hintergrund auch mit blauer Uniform viel Grün zu sehen. Dort wo sie positiv das pralle Leben mitbekommen: Wenn Gefahr gebannt oder Straftaten aufgeklärt werden können, wenn eine eskalierende Situation mit Worten befriedet werden kann, wenn Menschen geholfen oder für Recht und Ordnung gesorgt werden kann. Und immer wieder gibt es schöne, manchmal auch lustige oder rührende Begegnungen mit „dem Bürger“.
Stärken für ihren anspruchsvollen und herausfordernden Dienst mitten im Leben können sich Polizistinnen und Polizisten mit allem, wo Lebensfreude spürbar ist. Ob in der Familie, mit FreundInnen, Musik, einem entspannenden Hobby … und vielleicht auch mit Fußballspielen oder Fußballgucken. Matthias und ich wünschen Euch und Euren Familien von Herzen ein frohes Osterfest und möglichst viel Lebensfreude an den Feiertagen.
Herzliche Ostergrüße,
Norman Roth und Matthias Orth

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