Polizeiwallfahrt

Polizeibedienstete, ihre Familien, Freunde und Interessierte pilgern nach Landau

Polizeiwallfahrt nach Landau/Pfalz 2015

Der Gemeinsame Beirat der Polizeiseelsorge im Bistum Speyer und in der evangelischen Kirche der Pfalz (protestantische Landeskirche) hat Ende September zur Wallfahrt nach Landau eingeladen. Etwa 130 Polizeibedienstete, ihre Familien, Freunde und Interessierte haben am Pilgermarsch auf dem Gelände der Landesgartenschau teilgenommen. Der ökumenische Gottesdienst, musikalisch begleitet vom Landespolizeiorchester Rheinland-Pfalz, stand unter der Überschrift „Gerechtigkeit bringt Frieden hervor“.

Aus allen Teilen des Landes Rheinland-Pfalz hatten sich Polizistinnen und Polizisten, Pensionäre und Familienangehörige auf den Weg gemacht. Die längste Anreise dürfte eine Pilgergruppe aus dem Saarland gehabt haben. Die „Polizeiwallfahrer“ von der Saar waren schon Tage zuvor mit dem Fahrrad gestartet, um pünktlich zu Prozessionsbeginn und bei schönstem Sonnenscheinwetter, in der Südpfalz, auf der Landesgartenschau in Landau einzutreffen. Auch aus den anderen benachbarten Bundesländer waren Pilgerinnen und Pilger angereist. Den weitesten Weg dürften allerdings Polizistinnen und Polizisten aus Sachsen zurückgelegt haben. Patrick Stöbener, seit Anfang des Monats Polizeiseelsorger im Bistum Speyer, begrüßte sie alle.

Die katholische und evangelische Kirche sind mit einem ökumenischen Kirchenpavillon auf der Landesgartenschau vertreten. Die letzte September-Woche stand unter dem Thema „Gerechtigkeit“. Im Polizeiwallfahrtsgottesdienst griff Stöbener das Thema auf, die ökumenische Feier stand unter der Überschrift „Gerechtigkeit bringt Frieden hervor“.

Mitgestaltet hatten den Gottesdienst Markus Reuter, Polizeiseelsorger im Bistum Mainz, Hubertus Kesselheim, Polizeiseelsorger im Bistum Trier, Pfarrer Peter Paul Gregor, Landespolizeidekan des Freistaates Sachsen, Pfarrer Breuer, der eigentlich Gefängnisseelsorger ist, aber schon viele Jahre die Radtruppe aus dem Saarland begleitet, Rudolph Renner, evangelischer Landespolizeipfarrer für das Saarland, und Mitglieder des ökumenischen Seelsorgebeirates der evangelischen Kirche der Pfalz und des Bistum Speyer.

Gerade von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten werde gefordert, dass sie sich für Recht und Gerechtigkeit einsetzen. Das sei sicherlich nicht immer einfach, so Stöbener. Was für den einen gerecht erscheine, bewerte ein anderer als ungerecht.

Stöbener rückte in seiner Ansprache das Evangelium nach Matthäus in den Mittelpunkt, „ Amen, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt. 25,31-46)

Der Polizeiseelsorger zitierte hierzu aktuelle Schlagzeilen (Deutsche Wirtschaftsnachrichten): „Flüchtlinge: Die Ausbeutung der Welt schlägt im behaglichen Deutschland auf“ oder „Plünderung der Welt: Luxus für die Eliten, viel Elend für den Rest“. Dass momentan in 31 Ländern der Welt Krieg herrsche, spricht Stöbener an. Und, wie sich abertausende Menschen auf den Weg machen, um aus ungerechten und lebensfeindlichen Verhältnissen zu flüchten. Die Kriege beträfen Deutschland. Gerade den Polizeibediensteten stünden täglich friedenssuchende Kriegsflüchtlinge gegenüber. In diese Situation hinein spreche der Evangelientext, so Stöbener.

Der Gemeindereferent sprach den Polizeikräften seinen größten Respekt, Anerkennung und Dank für ihre Arbeit in diesen schwierigen Zeiten aus. Die Gesellschaft stehe vor einer gewaltigen Aufgabe, diesen Menschen, die aus katastrophalen, lebensbedrohenden Situationen geflohen sind, hier momentan Schutz und Hilfe zu bieten.

In seiner Ansprache griff Stöbener weiter die Enzyklika Laudato si‘ von Papst Franziskus auf. Darin wird beschrieben, was zu Ungerechtigkeit und Bedrohung der Erde und der auf ihr lebenden Völker führt. Der Seelsorger appellierte an die Pilgerinnen und Pilger, ihre Lebensweise auf den Prüfstand zu stellen und sich zu fragen, „Dient sie dem Leben aller Menschen auf diesem Planeten? Was kann ich, ich ganz persönlich, tun? Was kann ich für mehr Gerechtigkeit in der Welt beitragen?“. Mit praktischen Beispielen und einer Fabel beendete er seine Ansprache.

„Sag mir, was wiegt eine Schneeflocke“ fragte die Tannenmeise die Wildtaube. „Nicht mehr als ein Nichts“, gab sie zur Antwort. „Dann muss ich Dir eine wunderbare Geschichte erzählen“, sagte die Meise. „Ich saß auf dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es zu schneien anfing; nicht etwa heftig im Sturmgebraus, nein, wie im Traum, lautlos und ohne Schwere. Da nichts Besseres zu tun war, zählte ich die Schneeflocken, die auf die Zweige und auf die Nadeln des Astes fielen und darauf hängenblieben. Genau dreimillionensiebenhundert-einundvierzigtausendneunhundertzweiundfünfzig waren es.
 Und als die dreimillionensiebenhunderteinundvierzigtausend-neunhundertdreiundfünfzigste Flocke niederfiel, nicht mehr als ein Nichts, brach der Ast ab.“ Damit flog die Meise davon.

 Die Taube, seit Noahs Zeiten eine Spezialistin in dieser Frage, sagte zu sich nach kurzem Nachdenken: 
“Vielleicht fehlt nur eines einzelnen Menschen Stimme zum Frieden der Welt.“

Die Wallfahrt endete am späten Nachmittag mit einer Andacht. Bis dahin hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch ausreichend Gelegenheit „Gottes herrlich bunten Garten“ inmitten der Landesgartenschau in Landau und den dort gleichzeitig stattfindenden „Tag der Polizei“ zu erkunden.