
Liebe Leserinnen und Leser,
bei mir ist es jetzt soweit. Man hört bisweilen, dass es gut sei, in den Ruhestand zu gehen. Andererseits mehren sich aber auch die Stimmen dazu, dass es viele Nachteile habe, die Drehzahl zu reduzieren, ab jetzt hauptsächlich Vogelhäuschen zu bauen oder Rosen zu züchten. Auch die sicher gut gemeinten Einladungen zu einer Tasse Kaffee oder einem Schwätzchen bei Gelegenheit werden dann zu einer Herausforderung für die Einladenden, kommt man zu oft und erzählt womöglich noch von dem Früher; in dem alles viel schöner gewesen sei, wesentlich einfacher, gemeinschaftlicher…
Gewiss, manche häusliche Reparatur wartet auf kundige Handwerker, Garten und Wald sehen der Pflege entgegen, Nachbarn freuen sich auf die Unterhaltung von Haus zu Haus. Leise Befürchtungen meiner inzwischen komplett erwachsenen Kinder in Form von zu erwartenden häufigeren Besuchen, verbunden mit Ordnungswahn, werden ebenfalls laut. Auch die guten Wünsche der Ehefrau dazu, doch bald eine zufriedenstellende Nebenbeschäftigung zu finden, signalisieren die Entmythologisierung des hochgelobten Ruhestandes.
Und so will ich es auch möglichst allen und mir rechtmachen: Für jeden Tag meiner bisher 48,5 Jahre Arbeitszeit bin ich dankbar. Eine faszinierenderen Beruf vermag ich mir nicht vorzustellen. Deshalb werde ich auch noch ein wenig und in abgespeckter Form weiter machen: Lehren, forschen, zuhören, helfen, neugierig bleiben, warten auf das Kommende.
Ich danke Ihnen Allen für jede Begegnung, die war und auch solche, die noch sein darf. Für die Hochschule der Polizei bleibe ich Ihnen noch eine Zeit erhalten und wünsche Ihnen allerlei Segen. Meine Kollegin Anne Henning beerbt mich ab dem 1. Dezember 2015. Sie wird Ihre neue Polizeipfarrerin, der ich wünsche, dass Sie ihr ebenso begegnen wie mir.
Herzliche Grüße,
Dr. Herbert Fischer-Drumm
Polizeiseelsorger
