Gedanken zur Weihnachtszeit

Vorhang auf für das Licht der Welt
von Patrick Stöbener

Brennende Kerze vor einem roten, sich öffnenden Vorhang
Foto: geralt | pixabay.com

Ein paar Beobachtungen in der diesjährigen Advents- und Weihnachtszeit:

  • die Schaufenster sind schön geschmückt und erleuchtet,
  • in den Fußgängerzonen glitzert die Weihnachtsbeleuchtung,
  • in vielen Fenstern blinkt und funkelt es in allen Farben,
  • in den Vorgärten der sind die Thuja- und Buchsbäume mit Lichterketten verziert,
  • vor dem Bataclan in Paris brennen hunderte von Kerzen.

Stopp – Dieser Satz passt wohl nicht in die Aufzählung.

Wir wünschen uns für die Weihnachtszeit Glühwein, Plätzchen, besinnliche Musik, Kerzenschein, Harmonie und Ruhe, da passen solche Meldungen nicht rein. Aber die Bilder in den Nachrichten
konfrontieren uns täglich mit der Realität: Wir sehen brennende Häuser, aber auch brennende Kerzen an den Orten der Terroranschläge in Frankreich und überall in der Welt. Doch auch wenn es im ersten Moment befremdlich wirkt: Auch diese Bilder sind dieses Jahr Teil der Advents- und Weihnachtszeit.

In Zeiten größter Not, Verzweiflung und Trauer legen Menschen in Paris Blumen ab und zünden Kerzen an. Am Tag nach dem Terrorakt in Paris hat ein französischer Reporter ein Kind befragt, ob es denn verstehe, was da passiert ist. Er fragte das Kind: „Weißt du, warum diese Menschen das getan haben?“, Selbstbewusst antwortet der knapp Dreijährige, während sein Vater neben ihm zuhört. „Ja, weil diese Menschen sehr, sehr, sehr böse sind … sie haben Waffen…“ Der Vater  antwortete ganz ruhig und zeigte auf den Boden. „Sie können Waffen haben, aber wir haben Blumen.“ Der Sohn stottert „Aber die Blumen machen nichts…“. Da entgegnete der Vater „Natürlich machen die Blumen etwas. Schau nur: Jeder legt hier Blumen hin. Die sind da, um gegen die Waffen zu kämpfen.“ Mit großen Augen fragte der Junge „Sind sie da, um uns zu beschützen?“. Er blickte schüchtern auf die Blumen vor dem Bataclan. „Ganz genau“, lautete die Antwort. „Und die Kerzen auch?“. Es schien, als akzeptierte der Junge diese Erklärung und wiederholte: „Also sind die Blumen und die Kerzen hier, um uns zu beschützen!“ „Ja“.

Die Blumen und Kerzen sind hier um uns vor den Waffen zu schützen und gegen die Waffen zu kämpfen. Eine berührende Erklärung. Zu schön um wahr zu sein? Es ist zu kurz gegriffen und die
Realität verleugnend, wenn wir glaubten dass uns Blumen und Kerzen vor Gewalt und Terror schützen können. Wir sind darauf angewiesen, dass Polizei und Sicherheitsbehörden, notfalls auch mit Waffengewalt für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger sorgen. Mir ist bewusst, dass Ihnen und Ihren Angehörigen der Gedanke daran Angst macht und belastet. Diese Herausforderung und Anspannung überschattet die Advents- und Weihnachtszeit dieses Jahr und gibt ihr einen  unangenehmen Beigeschmack.

Und doch spüre ich, wie mich dieses Interview vor dem Bataclan bewegt. Mit ihren brutalen Attentaten wollen die Täter Angst und Schrecken verbreiten. Angst und Schrecken sollen die „Ungläubigen“ in dunkle Zeiten führen. Die Menschen in Paris wollen das nicht zulassen. Sie vertrauen zum einen auf die Arbeit ihrer Polizei, und zeigen auf der anderen Seite, dass sie sich nicht einschüchtern lassen, sich nicht das „Leben“ nehmen lassen und drücken das mit Blumen und Kerzen aus. Sie setzen mit den Blumen und den brennenden Kerzen ein Hoffnungszeichen gegen die Dunkelheit des Terrors und der Gewalt.

An Weihnachten feiern wir Christen die Menschwerdung Gottes in der Geburt Jesu. Jesus sagt von sich: „Ich bin das Licht der Welt!“ In unseren Gottesdiensten drücken wir dies symbolisch durch brennende Kerzen aus. Bei den Weihnachtsbesuchen des Polizeiseelsorgebeirates auf den Dienststellen wird eine große Kerze, das „Licht von Bethlehem“ überreicht. Es will uns an Jesus und seine Botschaft erinnern, uns für Liebe, Versöhnung, Frieden, Gerechtigkeit einzusetzen. Lassen wir das „Licht von Bethlehem“ mit diesen Gedanken in unseren Dienststellen brennen. Zünden wir mit diesen Gedanken auch zu Hause Kerzen an. Sie brennen gegen das Dunkel in der Welt, gegen Gewalt, gegen Terror und Hass. Sie brennen als Hoffnungszeichen für Liebe, Gerechtigkeit, Frieden, für eine bessere Welt für alle! Machen wir die Vorhänge auf, stellen wir Kerzen ans Fenster und zeigen unsere Hoffnung für eine bessere Welt!

Ein besinnliches und friedvolles Weihnachtsfest und Gottes reichen Segen im Jahr 2016 wünschen Ihnen und Ihren Angehörigen,

die Polizeiseelsorger
Anne Henning und Patrick Stöbener