
Wenn morgens um sechs bei uns der Wecker klingelt, freue ich mich darüber, dass ich draußen die Vögel wieder singen höre. Das ist für mich der sichere Beweis, dass der Frühling da ist. Im Vorgarten blühen die Krokusse und an den Bäumen werden die Knospen immer dicker. Die Zeit vor Ostern ist eine Zeit, in der die Natur pulsiert und sich mit Macht dem neuen Leben entgegenstreckt. Das genieße ich.
Nur scheinbar steht dieser Aufbruch der Natur im Gegensatz zur kirchlichen Passionszeit. Sie endet mit dem Osterfest. Und Ostern zeigt, dass der Tod des EINEN nur das vorletzte Wort hat. Denn das letzte Wort hat sein und unser Leben diesseits und jenseits der Grenze des Todes. Deshalb sind wir Christinnen und Christen davon überzeugt, dass Gott mit uns das Leben feiern will.
Feiern? Dienstlich steigen die Anforderungen beinahe von Tag zu Tag. Politisch verdüstert sich die Weltbühne durch Menschen, denen die Demokratie unwichtig geworden zu sein scheint. Vielleicht läuft es zu Hause auch gerade unrund. Feiern?
Ja, als Polizeiseelsorge möchten wir das Leben mit Ihnen feiern. Die Botschaft von Ostern ist nämlich das „Trotzdem“ und das „Jetzt-erst-recht“. Das leere Grab zeugt davon und die Natur tut es auch. Das Küken schlüpft nämlich trotzdem aus dem Ei, selbst wenn es
regnet.
Mit herzlichen Grüßen zum Osterfest,
auch von meinem katholischen Kollegen, Patrick Stöbener,
Ihre Anne Henning
