Freiheit

„Freiheit ist die einzige, die fehlt“ singt Marius Müller-Westernhagen in einem seiner bekanntesten Lieder und übt damit beißende Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen unserer Zeit. Sein Text impliziert, dass gesellschaftliche Bevormundung innere Freiheit hemmt. In diesem Jahr hatten viele seit Langem am 31. Oktober in Rheinland-Pfalz mal wieder frei. Denn 500 Jahre Reformationsgeschichte sind es unserem Land diesen eigentlich längst abgeschafften Feiertag wert.

Die Reformation wird als eine Befreiung gefeiert. Denn zu Lebzeiten Luthers war der Ablass in aller Munde. Mit ihm konnte man die Seelen der geliebten Verstorbenen im Nachhinein und die eigene Seele im Voraus freikaufen. Durch bestimmte Summen konnte man so etlichen Jahren Fegefeuer entgehen. Je mehr Ablässe sich jemand kaufen konnte, desto angstfreier blickte er dem Leben nach dem Tod entgegen. Denn Furcht beherrschte das Lebensgefühl. Die Menschen hatten im wahrsten Sinne des Wortes höllische Angst vor den Strafen Gottes. Die Kirche wurde durch die Ablasspraxis immer reicher. Das Geschäft mit der Angst blühte. Von Freiheit keine Spur. Luther selbst ging es genauso. Er hatte fürchterliche Angst vor einem strafenden Gott. Doch Luther kämpfte um seinen Glauben und um das Heil seiner Seele. Während des Bibelstudiums gewann er tatsächlich die befreiende Erkenntnis, dass wir im Vertrauen auf Gott ganz und gar so angenommen und geliebt sind, wie wir sind, mit all unseren Fehlern. Mit diesem Befreiungsschlag begann seine ganz persönliche Reformation, also seine Erneuerung und die übertrug er dann auf die gesellschaftlichen Verhältnisse, damit auch andere diese Freiheit erleben konnten.

Der Ablasshandel ist längst Geschichte und der Einfluss der Kirchen auf die Menschen mächtig geschrumpft. Aber auch wir haben heute vieles, was uns unfrei macht oder womit wir uns selbst unnötig einengen. Seien es überhöhte Ansprüche, Gewohnheiten oder äußere Umstände.

Am 31. Oktober haben die meisten von uns frei. Zeit, um mal innerlich Bilanz zu ziehen und zu schauen, was Sie in ihrem Leben befreiend erneuern könnten.

Für die Polizeiseelsorge grüßt Sie herzlich,

Ihre Anne Henning