Weihnachten

Das Fest vom heruntergekommenen Gott

Klingt ganz schön provokativ! Wir kennen den Ausspruch: „Mein Güte, ist der heruntergekommen!“ Sicherlich kommen vielen von Ihnen Bilder aus Ihrem beruflichen Alltag in den Kopf. Vielleicht erinnern Sie sich an Obdachlose, Alkoholiker, wiederholt straffällig gewordene Jugendliche oder verwirrte Menschen. In der Polizeisprache werden sie manchmal als „Stammkunden“ bezeichnet. Vielleicht haben Sie beim Wort „heruntergekommen“ aber auch schnell einen Geruch in der Nase, den Sie lieber sofort wieder loswerden möchten.

„Weihnachten – Das Fest vom heruntergekommenen Gott“ da denken wir vielleicht an Suppenküche für Bedürftige und den blinkenden Weihnachtsbaum auf dem Empfangstisch der Bahnhofsmission. Mit unseren romantisch-friedlich-weihnachtlichen Gefühlen hat das wenig zu tun. „Lasst mich damit in Ruhe!“ denkt vielleicht der eine oder die andere von Ihnen. “Wenigstens zum Fest der Feste will ich nach Dienstschluss das Elend der Welt mal aus dem Kopf haben!“

Diese Haltung ist nur allzu verständlich. Doch vielleicht gehört beides zusammen. Vielleicht kann Weihnachten nur romantisch sein, weil uns seine Botschaft tief berührt. Diese Botschaft zeigt die Gegensätze dieser Welt, nämlich das romantisch Schöne und das heruntergekommen Hässliche, Wärme und Kälte, Liebe und Hass.

Maria bringt Gottes Sohn in erbärmlich „heruntergekommenen“ Verhältnissen zur Welt. Jesus kommt im Stall zur Welt. Josef und Maria haben ihm, außer ihrer Liebe wenig zu bieten. Jesus, der heruntergekommene Sohn Gottes, wird als Mensch in ärmliche Verhältnisse hineingeboren. Jesus, der Sohn Gottes, kommt herunter zu den Heruntergekommenen. Die Hirten, einfache, aber gut geerdete Menschen erfahren als erstes von Jesu Geburt. Die Reichen bekommen das Ereignis nur mit, wenn sie sich aktiv auf die Suche machen, so wie die drei weisen Könige aus dem Morgenland. Der leuchtende Stern Gottes zeigt ihnen den Weg.

Vom erwachsenen Jesus berichtet die Bibel, dass dieser heruntergekommene Gottessohn sich mit den Sündern und Kranken, mit den Ausgestoßenen und Armen, mit den Kindern und den Alten abgegeben hat. Unter den Ausgestoßenen und Heruntergekommen hat er sich wohl gefühlt. Aber er hat auch gern gefeiert und gut gegessen, so wie viele von uns an Weihnachten.

Weihnachten zeigt, dass das Leben aus Höhen und Tiefen besteht. Weil wir gern lieber bei den Höhen verweilen, lenkt es unseren Blick mit dem Kind in der Krippe fast zärtlich auch in die Tiefe. Deshalb hoffen wir, dass es auch uns gelingt, den Blick dorthin zu wagen, wo es dieses Weihnachten aller Wahrscheinlichkeit nach ungemütlich sein wird. Wie geht es den Menschen in den Erdbebengebieten in Mexiko und im Irak? Was bedeutet Weihnachten in diesem Jahr für die Menschen, die bei dem Terroranschlag letztes Jahr auf dem Adventsmarkt am Breitscheidplatz Ihre Angehörigen verloren haben? Was bedeutet Weihnachten in diesem Jahr für die Millionen Aidskranken in Russland, China und Afrika?

Was bedeutet Weihnachten in diesem Jahr für Familien, die nicht wissen wie sie vom überzogenen Konto auch noch Weihnachtsgeschenke für ihre Lieben bezahlen sollen? Wie feiern die Menschen Weihnachten, die mitten in einem Trennungskrieg leben und versuchen, ihre Kinder dabei zu schützen? Wie erreicht die frohe Botschaft jene, die tief in Traurigkeit und Depression versunken sind? Für viele Menschen ist Weihnachten 2017 „ganz schön“ heruntergekommen! In der Tat ist Weihnachten ganz schön heruntergekommen! Denn in Christus lässt sich Gott bedingungslos auf unser Leben ein.

Er kommt zum Polizisten, der sich kurz vor dem Burnout fühlt und versucht, das vor allen zu verheimlichen. Er kommt zu der stets betrunkenen Pennerin, die immer am gleichen Platz sitzt. Er kommt zu denen, die verzweifelt nach Liebe suchen. Er kommt zu denen, die wissen, sie haben in ihrem Leben Fehler gemacht und sind schuldig geworden. Er kommt zu allen, die ihn brauchen und rüttelt jene wach, die meinen, sie bräuchten niemanden. Denn tatsächlich brauchen wir ihn alle in der Gestalt eines lieben Menschen, in einem Händedruck, einer warmen Mahlzeit, einem erlösenden Wort …

Wir wünschen Ihnen und Ihren Angehörigen ein Weihnachtsfest, an dem Sie Ihn spüren dürfen. Er ist in leuchtenden Kinderaugen ebenso präsent, wie in der Verzweiflung des unheilbar Kranken. Wir finden ihn im Tannenduft ebenso wie im Gestank des Erbrochenen eines Junkies. Denn Gott nimmt in Jesus Anteil an unserem Leben mit allem Leid, aber auch mit aller Freude und Schönheit. Er ist ganz schön heruntergekommen! Denn er ist einer von uns!

Ihnen allen ein frohes, ruhiges und gesegnetes Weihnachtsfest 2017.
Ihr Patrick Stöbener und Ihre Anne Henning,
Ihre Polizeiseelsorger